Emmi erzählt…

Vom Kinderwunsch & Kinderwunsch-behandlungen, ihrem Leben in dieser Zeit und wie es danach weiterging?

Hier findest du eine Interviewserie mit Emmi. Wir haben uns online über Emmis Profil meinlebenohnekind auf Instagram kennengelernt. Sie berichtet hier von ihrer Kinderwunschzeit und wie sich alles entwickelte. Emmi erzählt auch, wie sich die Kinderwunschbehandlungen auf ihre Gefühle, ihre Partnerschaft und ihren Beruf auswirkten. Du darfst gespannt sein!

Emmi ist ein Pseudonym, aber es gibt sie wirklich. Sie möchte anonym bleiben, weil sie sehr persönlich aus ihrem Leben berichtet.

Was du wo findest:

TEIL 3

Enttäuscht vom Körper

Gefühl des Versagens und Angststörung

Ende der Kinderwunschbehandlung

Abschied vom Kinderwunsch und: glücklich werden!

Annick: Liebe Emmi, wir haben uns vor ungefähr einem Jahr bei Instagram "kennengelernt". Ich bin irgendwann auf dein Profil gestoßen. Deine Texte haben mich von Anfang an so tief berührt. Ich begleite ja energetisch Frauen in der Kinderwunschzeit und manchmal auch dabei, sich vom Kinderwunsch zu verabschieden. Das ist ein großes Thema. Und gerade was das angeht, ich finde deinen Weg und deine Posts so spannend!

Dann habe ich dich gefragt, ob du mir ein Interview geben würdest. Daraus entstand dann die Idee einer Interviewserie. Ich bin einfach davon überzeugt, dass du so viel zu sagen hast, was anderen Frauen helfen kann. Und deswegen freute mich um so mehr, als du zugesagt hast!


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Emmi: Oh ja, liebe Annick, auch ich habe mich sehr gefreut, dass du auf mich zugekommen bist! Ohne, dass mir das zunächst bewusst war, gebe ich ja durch mein Schreiben vielen Frauen Halt und Orientierung auf ihrer eigenen, individuellen Reise. Einfach weil ich meinen Weg auf Instagram mit ihnen teile. Deswegen fand ich die Idee einer Interviewserie eine perfekte Ergänzung.

Wer sind diese Frauen?

Interessanterweise handelt es sich um Frauen aus beiden "Lagern" – mit und ohne Kind. Jede Frau, die Mutter geworden ist, kennt ja heutzutage mindestens eine Frau in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, bei der es nicht geklappt hat oder noch nicht geklappt hat. Ich kann mir vorstellen, dass diese sich bei mir das nötige Einfühlungsvermögen anlesen. Und auch müssen. Denn wenn man selber Happy-Mama geworden ist und die Freundin hat beispielsweise seit drei Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch, dann ist das eine herausfordernde Situation.

Dann gibt es Frauen, die mir folgen, die es es lange versucht haben. Sie werden dann Mutter und lesen trotzdem meine Geschichte weiter. Ich glaube, sie finden zwischen meinen Zeilen Raum für die eigene Reflexion und Aufarbeitung ihrer eigenen, schwierigen Kinderwunschzeit.

Und es gibt natürlich die Frauen, die akzeptieren müssen, dass sich Kinderwunsch nicht für jede Frau erfüllt. Da ist es dann gut und heilsam, Erfahrungsberichte von anderen zu lesen. Parallelen zu ziehen, Einordnung zu schaffen und zu merken, dass man nicht ganz alleine ist. Man sucht in dieser tiefschürfenden Lebenskrise Inspiration, ohne dass man gleich belehrt werden möchte.

​Sprüche wie „Denk positiv!“ oder „Das Leben geht weiter!“ helfen einem da nicht.

Theoretisch sind die Sprüche ja nicht falsch. Nur wenn man tief im Loch sitzt, helfen die nicht. Wenn jedes Kind, das man sieht, einem das Herz bricht. Da braucht man dann anderes Futter für Kopf, Herz, Seele und Körper. Wenn man dann von einer Frau liest, die sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Traurigkeit herausgezogen hat und auch noch merkt, dass es ihr wirklich gut geht, auch ohne eigenes Kind, will man natürlich wissen, wie zum Teufel hat sie das geschafft?

Und was ist mit den Männern?

Stimmt, Männer sind ja auch noch da. Ja, es gibt auch Männer, die regelmäßig meine Einträge lesen und sich Unterstützung holen. Sie sind jedoch – anders als die Frauen – zurückhaltende, stille Leser.

Emmi, magst du dich ein wenig vorstellen? 

Ich bin 43. Also in einem Alter, in dem Frauen durchaus noch gebärfähig sind, Kinder kriegen oder versuchen, ein Kind zu bekommen. Ich bin ein Haupstadtpflänzlein, also in Berlin geboren und auch hier aufgewachsen – im Ostteil – aber das soll nicht relevant sein. Ich bin seit 2007, also seit 12,5 Jahren, in einer festen, monogamen, heterosexuellen Beziehung. Seit 2012 sind mein Mann und ich verheiratet.

Vor wie vielen Jahren begannst du, dir ein Kind zu wünschen und zu versuchen, schwanger zu werden? 

Bereits wenige Monate nach unserem Kennenlernen war uns klar, dass wir ein Kind möchten. Ein Wesen, in dem mein Mann und ich drinstecken. Mein Mann war damals 37, ich 31. Wir verhüteten während meiner fruchtbaren Tage zwar noch mit Kondomen. Doch eher nachlässig. Mal ging die Leidenschaft mit uns durch, mal ließen wir es drauf ankommen, obwohl es „gefährlich“ war – aber dann macht es ja besonders viel Spaß.

Irgendwie schwebte uns die romantische Idee eines „Ups, da ist es passiert“ vor.

Naja, wir gehörten auf jeden Fall nicht zu denen, die einmal nicht aufgepasst hatten und schon war es passiert. Also ließen wir die Kondome so nach ein, zwei Jahren weg. Immer noch ließen wir uns treiben, ohne irgendetwas zu forcieren. Das Leben war schön. Wir liebten uns. Es sollte einfach das passieren, was passieren wollte. Eines Tages würde es schon klappen. Keinen Druck. Alles easy.

An welchem Punkt bekamst du das Gefühl, dass es nicht so leicht ist, schwanger zu werden?

Ich wusste schon, dass es bei mir möglicherweise nicht ganz einfach werden könnte. Denn ich hatte mit 23 einen Eierstock verloren. Der Eierstock war verwachsen mit einem Zwilling – meinem Zwilling. Im Körper meiner Mutter hatte sich dieser während der Schwangerschaft nicht weiterentwickelt. Er wurde noch im Mutterleib von meinem Körper absorbiert. Ich weiß noch, als ich damals aus der OP aufwachte. Ich war noch völlig benebelt von der Narkose. Da sagte der Arzt zu mir: Wir konnten Ihren Eierstock nicht retten, aber der andere wird alle Funktionen übernehmen.

Bis 30 sollten Sie aber Mutter sein!

Meine behandelnde Frauenärztin wusste davon, aber sie wog mich weiter in dem Glauben, dass alles in bester Ordnung sei. Also ließ ich es laufen. Ich hatte aber im Hinterkopf, dass ich mir Unterstützung suchen würde, wenn es tatsächlich schwierig werden sollte.

Doch auch bei meinem Mann war etwas im Argen. 

Lange schwieg er sich darüber aus. Oder wollte ich es nicht hören? Er hatte in jungen Jahren einen Infekt, der Auswirkungen auf seine Zeugungsfähigkeit hatte. Doch bis heute behauptet er, er hätte immer mit offenen Karten gespielt.

Ich glaube, er hatte einfach Angst. Davor, dass ich mich möglicherweise nach einem anderen Partner umschauen könnte, wenn ich von seinen schläfrigen Samen erfahren hätte. Sie hätten auf normalen Weg niemals den Weg zu meinen Eizellen geschafft. Wie auch immer, wir hatten beide eine Einschränkung. 

Das war für das, was später kam, nicht ganz unwichtig. Doch ich als positiv denkender, gesunder Mensch war felsenfest davon überzeugt, dass am Ende alles gut werden würde. Einfach weil ich das Kind, das ich mir von ihm wünschte, in meiner Vorstellung ja schon in den Armen hielt!

Gedanklich drehte ich doch schon meine Runden mit dem Kinderwagen.

Ich stillte und wickelte es in meinen Gedanken und kümmerte mich liebevoll, wenn es krank war. Diese Vorstellung – wie es einmal sein würde, wenn das Kind erst mal da ist – war über lange, lange Zeit die Quelle meiner Hoffnung! Aus ihr schöpfte ich, wenn ich mich fragte, warum und wofür ich das alles tat! Ich glaube, das ist auch ganz normal, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch über einen längeren Zeitpunkt besteht.

Ab wann hast du gemerkt, dass du noch etwas mehr tun musst für deinen Kinderwunsch?

So wirklich anfangen mich zu kümmern, kam schlagartig nach einem Abend mit meiner Freundin Kathrin. Ihr Sohn war gerade zwei Jahre alt, als sie sagte: „Klemmt Euch dahinter! Kinder sind das Größte. Der ganze Scheiß, über den ich mir früher Gedanken gemacht habe, der ist einfach weg.“

Also sprach ich das Thema Kinderwunschbehandlung zum ersten Mal offensiv zu Hause an. Das muss so 2012 gewesen sein.

Wie hat dein Mann darauf reagiert?

Zunächst war er alles andere als begeistert. Er sagte: „Ist dir klar, dass sich eine Institution in etwas sehr Intimes zwischen Mann und Frau einmischt?“

Das war mir klar, aber wenn am Ende ein Kind raus kommt, dann ist mir doch die Einmischung gerade recht, oder nicht? Vor allem aber wollte ich mich mit Mitte 40 nicht fragen müssen: Es gibt Kinderwunschbehandlungen – warum hast du es denn nicht einmal versucht?!

Mein Mann brauchte viel Zeit, um sich mit dieser Möglichkeit anzufreunden. Wir redeten „häppchenweise“ darüber, mit großen Pausen dazwischen. Insgeheim hofften wir, dass sich unser Wunschtraum doch noch auf natürlichem Weg von ganz alleine erfüllte! Er erfüllte sich aber nicht und das lenkte unsere Gedanken zwangsläufig in die Einbahnstraße Kinderwunschbehandlung.

Wieso Einbahnstraße?

Naja, als wir uns schlussendlich einig waren, dass wir es mit einer künstlichen Befruchtung versuchen wollten, gab es irgendwie kein Zurück mehr. Der Wunsch nach einem Kind wurde immer drängender. Vor allem für mich. Ich hatte das Gefühl, mir läuft die Zeit davon. Vor allem als ich erfuhr, dass es bei Kinderwunschbehandlungen auch eine Altersgrenze gibt.

Wie ging es dann weiter? Und könntest du ein bisschen über deine Gefühle erzählen, die du in der Zeit hattest?

Ab unserem ersten Gespräch bis zur ersten ICSI brauchten wir ungefähr zwei Jahre. Endlich lag ein Spermiogramm auf dem Tisch, endlich hatten wir uns für eine Kinderwunschklinik entschieden und endlich hatten wir uns einen Termin rausgepickt, um an einem Infoabend teilzunehmen.

Das war schockierend, weil mit uns so viele Paare da waren – durch die Bank weg, jüngere, ältere, nette, verkrampfte, coole Paare, mit denen man gerne befreundet wäre. Und bei allen dachte man: „Die auch!?“

In der Kinderwunschklinik wurden wir dann unter die Lupe genommen. 

Jetzt hatten wir schwarz auf weiß einen Befund. Besonders sauer war ich dann auf meine Frauenärztin! Sie ist nicht einmal auf die Idee gekommen, meine Schilddrüsenwerte und mein Anti-Müller-Hormon zu checken. Von dem hatte ich bis dato noch nie etwas gehört!

Was hat die finale Diagnose bei euch ausgelöst?

Einerseits war es gut, dass wir wussten, woran es lag. Andererseits aber war dieses Wissen krass! Denn das bedeutete: Egal wie sehr wir uns lieben und egal wie oft wir miteinander schlafen, es würde niemals auf natürlichem Wege ein Kind dabei rauskommen. Liebe versetzt eben keine Berge.

Die Diagnose war nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen.

Nicht, dass wir ständig daran denken mussten, aber ab und zu blitzte die Traurigkeit darüber auf, zumindest bei mir. Und genau das machte etwas mit uns auf einer unbewussten, körperlich-sexuellen Ebene.

Hast du dich in der Kinderwunschklinik gut aufgehoben gefühlt?

Ja und nein. Sobald ich in die erste ICSI startete, war ich total entspannt. Ich fand es schön, Kontrolle abzugeben. Zu vertrauen, mich den Vorgängen hinzugeben. Es lag nicht mehr allein in meiner Hand – das war schön. Auch der Moment nach dem Transfer, wenn ich also die befruchtete Eizelle zurückbekam, das war für mich jedes Mal magisch!

Doch mit vielen Erlebnissen, die ich innerhalb der drei Jahre hatte, blieb ich allein.

Für vieles fand ich auch erstmal gar keine Worte. Wie beschreibst du jemanden das Gefühl, wenn du aus der Narkose aufwachst, nachdem deine Eizellen abgesaugt wurden, damit sie außerhalb des Körpers befruchtet werden können? Mein Nest wurde ausgeräubert! So war das. So empfand ich das! Aber das konnte ich nur mit Frauen teilen, die das auch selbst  erlebt hatten, die wussten, wovon ich rede.

Keine Kinderwunschklinik kann das seelische Erleben einer Frau auffangen.

Das ist auch nicht deren Aufgabe. Also machst du vieles mit dir selbst aus und mit deinem Partner, denn der sitzt ja mit dir in deinem Boot. Eine Aufarbeitung schiebst du erstmal weg. Denn nach der (gescheiterten) ICSI ist ja vor der ICSI. Und da gilt es, sich wieder auf die Reihe zu kriegen.

Auf die Reihe kriegen meint, dass ich innerlich wieder vertraute und losließ, damit das geschehen konnte, was geschehen wollte. Aber natürlich auch sollte! Ganz abschalten konnte ich da nie. Dafür ist der Vorgang einfach zu sehr von außen gesteuert. Und natürlich habe mir dafür auch außerhalb der Klinik Unterstützung und Hilfe gesucht.


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Wie viele ICSIs habt ihr insgesamt durchführen lassen?

Das würde ich gern offen lassen. Was ich aber sagen kann, ist, dass mein Mann und ich uns ganz zu Beginn darauf einigten, wie viele ICSIs wir machen wollen. Wir setzten uns also von Anfang an ein autonomes Limit. Wir wussten ja nicht, was uns erwarten würde. Vielleicht würden wir uns ja völlig im Sog der Kinderwunsch-Maschinerie verlieren.

Und wie war die Zeit zwischen den ICSI-Behandlungen?

Die Zeit zwischen den Behandlungen – das Warten und der Leerlauf – war der Horror. Ich fieberte jedes Mal der nächsten ICSI entgegen und war selig, wenn ich die Hormone von der Apotheke abholen konnte, im Kühlschrank verstaute und es dann wieder losging. Ich spritzte selber, obwohl ich eine Spritzen-Phobie habe. Aber auch das sollte zu meiner Heldengeschichte gehören.

Wie sind dein Partner und du mit der Situation und miteinander umgegangen?

Mein Mann hat tapfer bei allem mitgemacht, er hat mir beigestanden und er zog mit mir an einem Strang. Immer. Das habe ich ihm hoch angerechnet! Wenn es für uns beide komisch wurde, haben wir geredet. Meistens am Wochenende, wenn Raum dafür war. Das war gut. Ich wollte ihn ja nicht ständig, mit jedem neuen Gedanken, belämmern.

Mit unserem guten Humor ist es uns auch immer wieder gelungen, ein bisschen über den Dingen zu schweben. Das war wichtig und ein gutes Ventil, Druck abzulassen. Denn immer mal wieder sah es ja gut aus, da war ich schwanger! Doch es wollte nie bleiben.

Was hat das mit dir im Verlaufe der Zeit gemacht?

Diese extremen, emotionalen Ausschläge, dieses Band von Hoffen und Verzweifeln, war irgendwann wie ausgeleiert. Ich litt zunehmend darunter, wieder und wieder zu „scheitern“. Meine Tage zu bekommen war ein monatlicher, vorprogrammierter Einbruch. Ich kam mir vor wie eine Versagerin, was natürlich noch verstärkt wurde durch die Hormone, mit denen man ja während der Kinderwunschbehandlungen vollgepumpt ist.

Dieses Gefühl von Versagen hat sich auch in andere Bereiche hineingefressen, doch das wurde mir erst sehr viel später klar. 

Denn für Reflexion bleibt in einer Kinderwunschbehandlung keine Zeit. Da gilt es, sich so schnell wie möglich von der Versagerin zur Optimistin zu mausern – vor allem im Kopf. Das wurde für mich im Laufe der Zeit immer mehr zum mentalen Kraftakt.

Ich fing auch an, meine körperlichen Vorgänge mehr und mehr zu analysieren und zu interpretieren. In den Monaten, in denen ich pausieren musste, war ich auch öfters davon überzeugt, dass es jetzt auf natürlichem Wege doch geklappt hatte. Obwohl es doch gar nicht sein konnte. So schwanger fühlte ich mich! Doch dann – wieder nichts.

Könntest du noch etwas mehr darüber erzählen, wie sich dein Gefühl und dein Befinden von ICSI zu ICSI verändert haben?

Nach der ersten gescheiterten ICSI war die Unbefangenheit weg. Ab da saß ich anders im Wartezimmer. Und man sitzt in der Behandlungszeit sehr oft im Wartezimmer. Ich erinnere mich, wie ich einmal im „Gästebuch“ blätterte, das im Wartezimmer auslag. Dort hinterließen Frauen Einträge, manche berichtete vom 14. vergeblichen Versuch, vom 15. Ab und zu war auch mal ein Babybild dazwischen.

Mit jeder ICSI verstärkte sich bei mir die Frage: Was kann ich diesmal „besser machen“? 

Damit löcherte ich auch wie selbstverständlich meine Ärztin. Schließlich war ich Kunde, zahlte eine Menge Geld und ich wollte das Gefühl von einer guten Zusammenarbeit haben. Ich hatte den Ehrgeiz eines Tages herausfinden zu wollen, was das entscheidende „Zünglein an der Wiege“ war.

Ich las mich also in das Thema ein, probierte alle möglichen Mittelchen, Säfte, Tees und Medikamente. Auch schleppte ich meinen Mann zu dem begleitenden Heilpraktiker, durch den es bei einer Bekannten zum Erfolg geführt hatte. Ich war also die ganze Zeit irgendwie am Machen. Getrieben davon, mich für die nächste ICSI zu optimieren!

Auf der anderen Seite aber stieg mit der Zeit mein Respekt vor jeder weiteren Behandlung! 

Das war nicht nur wegen möglicher Nebenwirkungen. Sondern es war wegen einer Aussage, mit der mich meine Ärztin nach der ersten Fehlgeburt tröstete: „Mit dem Embryo war etwas nicht in Ordnung.“

Ich konnte das gut annehmen. Denn natürlich wollte ich ein gesundes Kind. Der Respekt vor künstlicher Befruchtung aber wuchs, denn mir war ja klar, dass wir unser Kind ja nicht aus dem besten Erbmaterial zusammenbasteln würden.

Wie meinst du das? Hat dich das auch während der künstlichen Befruchtung beschäftigt?

Hast du schon mal an einem warmen Sommertag geflügelte Ameisen ausschwärmen gesehen? Die Königin steigt auf und die männlichen Drohnen folgen ihr. Doch nur die stärkste Drohne befruchtet die Königin, hoch oben in der Luft. Das ist der natürliche Weg.

Künstliche Befruchtung aber heißt, dass eine Drohne ausgewählt wird, die womöglich noch nicht mal fliegen kann. Ja, das steckte bei mir irgendwo im Hinterkopf.

Heißt das, dass du nicht so viel Vertrauen in die diagnostischen Methoden im Kinderwunschzentrum hattest?

Vertrauen in die diagnostischen Methoden hatte ich voll und ganz. Aber mit einer Stimulation meiner Eizellen greife ich ja in den natürlichen Reifungsprozess ein. Wenn dann noch unterm Mikroskop ein Spermium ausgewählt wird, was beim Hindernislauf niemals ins Ziel gekommen wäre, basteln wir da etwas, was auf natürlichem Weg so nie entstanden wäre.

Fertilitätsmedizin ist ja noch eine sehr junge Medizin. 

Vielleicht sagen uns unsere Kinder eines Tages: „Seid ihr bescheuert? Wie konntet ihr damals so etwas tun?“ Wer kann schon abstrahieren, zu was das alles führt? Denn die Kinder, die aus einer künstlichen Befruchtung entstehen, müssen ja erstmal groß werden. Und die bekommen dann ja auch irgendwann Kinder...

Würdest du dich rückblickend heute anders entscheiden?

Nein. Für mich, die ich Mutter werden wollte, stand mein absoluter Wunsch nach einem Kind im Vordergrund. Dieser Wunsch war und ist archaisch. Und nach der ersten Fehlgeburt war mein Wunsch sogar noch größer. Ich kämpfte wie eine Löwenmutter für mein Kind. Und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es wieder tun. Alle Möglichkeiten ausschöpfen.

Weißt du, warum dein Wunsch nach deiner Fehlgeburt noch größer war?

Bei jeder Schwangerschaft, die eingetreten ist, setzte ein unbeschreiblicher Rausch ein. Ich war am Fliegen! Ich hatte es geschafft! Und ich hatte jedes Mal den Glauben: Das schaffen wir jetzt, Baby!

Nach diesem High war der Fall natürlich um so tiefer. Ich hatte das Kind ja schon gespürt, ich war mit ihm verbunden! Der leere Bauch, der danach zurück blieb, war unerträglich. Sobald ich mich also „erholt“ hatte, wollte ich wieder das schöne Gefühl. Ich wollte wieder schwanger – also high – sein. Wenn ich das so schreibe, kommt es mir das echt vor, als würde ich von einem Junkie schreiben. Aber vielleicht war ich das auch.

Ich war ein „Kinderwunsch-Junkie“.

Habt ihr auch befruchtete Eizellen einfrieren lassen?

Dummerweise ist bei uns nie was zum Einfrieren übrig geblieben.

Und wenn ihr die Möglichkeit gehabt hättet? Hättet ihr Bedenken gehabt?

Es klingt vielleicht komisch, aber als ich in der künstlichen Befruchtung drinsteckte, hatte ich weder Bedenken noch Skrupel. Ich hätte mir jede meiner eingefrorenen, befruchteten Eizelle einsetzen lassen. Die lässt man nicht irgendwo “rumliegen”. Auf Eis ist ja schon schlimm genug, aber dann soll sie bitte schön ganz schnell da hin, wo sie auch hingehört. In meine Gebärmutter! Ich hätte befruchtete Eizellen auch nie zerstören lassen können! Ich hätte sie immer eingefroren. Doch zum Glück sind wir in so eine Situation nicht gekommen.

Wieso zum Glück?

Naja, ganz „un-hormonell“ betrachtet, habe ich mit dem Einfrieren von befruchteten Eizellen schon meine Probleme. Moralisch. Ethisch... Irgendetwas steckt in diesem Vorgang, was mir Gänsehaut macht. Vielleicht ist es allein die Tatsache, dass da Leben auf Eis liegt. Irgendwie glaube ich, dass das als traumatische Information irgendwie und irgendwo in dem Kind, was daraus entsteht, abgespeichert sein muss.

Und wie stehst du zu “Social Freezing”?

Das kann ich nicht wirklich sagen, da ich mich damit nicht eingehender auseinandergesetzt habe. Und ich kann auch nicht für die Frauen sprechen, die diese Möglichkeit in Anspruch nehmen.

Was ich aber erzählen kann, ist, dass ich eine Bekannte beim Einfrieren ihrer Eizellen begleitet habe. Franka. Sie war damals 36 und langsam in Torschlusspanik, weil sie einfach nicht den richtigen Partner für eine Familiengründung fand. Also entschied sich sich für Social Freezing, um ein bisschen den Druck aus der Sache zu nehmen.

Franka kannte sonst niemanden, der eine Kinderwunschklinik von innen gesehen hatte. Deswegen fragte sie mich. Und das war auch rückblickend genau richtig.

Sie musste mir nicht erklären, wie beschissen sich ein ausgeraubtes Nest nach der Eizellentnahme anfühlt. 

Und ich konnte sie auffangen, als ich erfahren habe, dass sie als blonde, gutaussehende Frau von der Schwester in der Kinderwunschklinik kurz vor der Punktion diskriminiert wurde.

Wie bitte!?

Ja. Sie wechselte dann auch die Kinderwunschklinik und ließ ein weiteres Mal Eizellen einfrieren. Könnte ja sein, dass die Eizellen nicht reichen, sollten sie zum Einsatz kommen... Mittlerweile ist Franka aber auf natürlichem Weg Mutter geworden und uns verbindet eine dicke Freundschaft. Nicht zuletzt wegen genau diesen Erlebnissen. Das vergisst du nie.


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Zurück zu dir: Wie offen bist du im Freundes- und Familienkreis mit der Kinderwunschbehandlung umgegangen?

Wir haben uns sehr zurückgehalten, was das anbetrifft. Der allerengste Kreis war eingeweiht. Aber wir haben ganz und gar für uns behalten, wann ein Eingriff stattfand. Wir wollten auf keinen Fall in die Rückmeldungs-Falle tappen und uns erklären müssen, wenn es nicht geklappt hat.

Wir haben auch nur auf Nachfrage darüber erzählt, was wir genau vorhaben. Die Eltern meines Mannes beispielweise sind schon etwas älter und eher konservativ. Gerade der Vater steht Medizin in allen Belangen sehr skeptisch gegenüber. Ihm etwas von einer Befruchtung außerhalb des Körpers zu erzählen, wäre alles andere als ratsam gewesen.

Ich bekam das nach meiner ersten Fehlgeburt zu spüren. Ich weiß nicht mehr, was genau mein Schwiegervater dazu sagte. Es war aber verletzend. Und demütigend. Mir seiner kritischen Position konnte ich überhaupt nicht umgehen.

Ich machte das ja nicht zum Spaß, sondern weil ich ein Kind wollte!

Wahrscheinlich wollte er mich damals nur trösten, doch ich hatte das in den völlig falschen Hals bekommen. Ab da haben wir dann immer schön den Mund gehalten.

Hat euch das als Paar isoliert?

Ja. Und einerseits war das auch schön. Wir fühlten uns wie zwei Verschworene, wie Bonnie & Clyde. In der Zeit der Kinderwunschbehandlung erlebt man ja durch die Hormone alles intensiver und aufregender. Wir hatten unsagbare leuchtende Höhepunkte. Aber auch pechschwarze Tiefpunkte. Als Paar hat uns diese Intensität extrem zusammengeschweißt. An manche Begebenheiten erinnere ich mich bis heute bis ins kleinste Detail. Kein Wunder.

Es ging ja auch jedes Mal quasi um “Leben und Tod”.

Und was waren die Schattenseiten?

Eine war, dass der Partner an deiner Seite nicht für alles herhalten kann. Nicht nur beim Thema unerfüllter Kinderwunsch, sondern generell. Du brauchst Freunde, die dir in Gesprächen neue Aspekte, Blickwinkel und Perspektiven zu den Themen offerieren, die dich beschäftigen. Und diese Gespräche fehlten uns beiden. Gerade in dieser auslaugenden Zeit wäre mehr davon wichtig gewesen. Doch wir waren wie abgeschnitten!

Noch heute erinnere ich mich an dieses beklommene Schweigen. Es hockte mit am Tisch, wenn wir mit Freunden zusammensaßen und das Thema Kinder oder Schwangerschaft aufkam. Schrecklich.

Unsere Kinderwunschbehandlung markierte eine unsichtbare Grenze und die Furchen des Stoppelackers dahinter betrat man lieber nicht. 

Wie hast du damals die Kinderwunschbehandlungen mit deinem Beruf als Schauspielerin für Film und Fernsehen koordiniert?

Das war wirklich jedes Mal eine logistische Meisterleistung. Meinen Kalender legte ich zeitweise gar nicht mehr aus der Hand.

Was mir aber am schwersten fiel, war das notorische Lügen. 

Kinderwunschbehandlung war für mich absolute Privatsache, deswegen konnte ich meiner damaligen Schauspielagentin schlecht sagen: “Sorry, an dem Tag kann ich nicht zur Kostümprobe, da hab ich Punktion.”

Ich war wirklich ständig am Rechnen, weil ja theoretisch nach jeder ICSI eine Schwangerschaft eintreten konnte. Die Frage wäre dann gewesen: Ok, wie lange kann ich drehen, bis man meinen Babybauch sieht?

Einmal war ich dann doch gezwungen, meine Agentin einzuweihen. Ich war in der achten Woche und hatte eine Jobanfrage. Sie wäre in die Zeit gefallen, in der man schon was gesehen hätte.

Also sagte ich, was los ist. Ich hoffte auf Verständnis und Frauen-Solidarität. Das Gegenteil war der Fall. 

Schwangerschaft bedeutet ja, dass eine Schauspielerin für einen längeren Zeitraum nicht vermittelbar ist. Somit riskierte ich fast einen Rauswurf aus der Agentur. Kurze Zeit später hatte sich das mit der Schwangerschaft dann wieder erledigt. Meiner Agentin aber konnte ich als Frau, die so viel durchgemacht hatte, nicht mehr in die Augen sehen. Ich trennte mich von ihr im darauffolgenden Jahr.

Hatte die Kinderwunschbehandlung noch weitere Auswirkungen auf deine Arbeit?

Ja, das hatte es. Und tatsächlich ist das ein größeres Thema, deswegen muss ich ein wenig ausholen. In meinem Beruf ist es normal, dass ich viele Anfragen bekomme und zu Castings gehe. In der Regel bekomme ich von 50 Anfragen und Castings so um die 12 Jobs. Und mit einem gesunden Ego steckst du die 38 Absagen auch gut weg.

Diese ständigen Rückschläge während der Kinderwunschbehandlung hatten nun aber zur Folge, dass ich anfing, an mir zu zweifeln. 

Dieses ständige Zweifeln auf privater Ebene übertrug sich auf die berufliche: Ich fing an, die Absagen, die ich sonst gut wegstecken konnte, persönlich zu nehmen. Wenn ich beispielsweise die Absage für eine Rolle bekam, in der ich eine Mutter hätte spielen sollen, sagte ich mir insgeheim:

Siehst du, im echten Leben bist du nicht gut genug, um Mutter zu werden und im fiktiven auch nicht. 

Wenn ich dann noch erfuhr, dass eine Schauspielerin die Rollen bekam, die dreifache Mutterwar, war das für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich empfand das als Herabwürdigung als Schauspielerin und als Frau! Die Kränkung fand also auf beiden Ebenen statt. Das hatte eine große Verunsicherung zur Folge.

Wann wurde dir klar, dass dein unerfüllter Kinderwunsch solche Auswirkungen auf dein Berufs-Ich hat?

Hm, das hat gedauert. Der Prozess der Selbstmontage geschah ja nicht über Nacht. Zunächst überspielte ich meine aufkommende Unsicherheit.

Doch das gelang nicht immer. Wenn ich beispielsweise für wichtige Casting-Entscheidungen unter die Lupe genommen wurde, kam es vor, dass etwas von dieser tiefgreifenden Verunsicherung sichtbar oder spürbar wurde. An irgendeinem Punkt entschlüpfte sie. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich in der Zeit meiner Kinderwunschbehandlung kein einziges Casting an Land gezogen habe.

Als die Selbst-Bestätigung durch meinen Beruf ausblieb, wurde ich natürlich noch unsicherer. Ich suchte mir deswegen einen Coach, der mir die innere Sicherheit zurückgeben sollte, die ich bei Dreharbeiten und Castings vermisste.

Eines Tages jedoch hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Da verstand ich, dass meine Unsicherheit im Job nur ein Symptom war. Die Ursache war mein unerfüllter Kinderwunsch!

Doch diesen tiefwurzelnden Wunsch, konnte ich mir (zu diesem Zeitpunkt) natürlich nicht aus dem Herzen reißen. Und viele Jahre glaubte ich ja noch, dass ich eines Tages Mutter sein würde.

Was war das für ein Schlüsselerlebnis?

Das war im Mai 2018. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits angefangen, auf Instagram Briefe an 'Mein liebes Kind' zu schreiben.

Da sagte unser Freund Marc eines Tages beim Abendessen: “Eine Frau, die keine Kinder geboren hat, ist keine richtige Frau.“ 

Mein Mann fand das unfassbar unsensibel und übergriffig. Er fragte mich später, warum ich mich nicht gewehrt habe? Da verstand ich, dass ich nichts gesagt hatte, weil ich insgeheim genau so dachte!

Ich fühlte mich als keine richtige Frau.

Mein Mann war schockiert und sagte, dass so ein Denken doch Auswirkungen auf mein Dasein als Ehefrau, Schwester, Tochter, Freundin, Tante haben würde. Und eben auch auf meinen Beruf! Und da wurde mir klar, dass es schon längst so war!


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Konnte dein Mann dich verstehen?

In gewisser Hinsicht schon. Was ihn aber noch viel brennender interessierte, war die Frage, was das im Umkehrschluss für ihn bedeutete.

Wenn ich mich als “keine richtige Frau” empfand, was war er dann in meinen Augen? Kein richtiger Mann?

Was war er denn in deinen Augen? 

Er war zu dieser Zeit ein Mann, der mir leid tat. Er tat mir leid, weil ich ihm kein Kind auf die Brust legen konnte. Er tat mir leid, weil ich den Schmerz und die narzisstische Kränkung, die das nach sich zog, in seinen Augen sah. Doch beides konnte ich ihm nicht nehmen.

Welche Auswirkungen hatte es im Laufe der Zeit auf eure Partnerschaft, dass du dich als „keine richtige Frau“ empfunden hast?

Mich als “keine richtige Frau” zu fühlen, hatte Auswirkungen auf meine ganze Persönlichkeit, meine Weiblichkeit, Sexualität, meine Spontanität, Freude, die Fähigkeit zu lachen, zu leben, einfach zu sein. 

Sie trennte mich von meinem Mann. Ich wollte ihm nahe sein, aber ich war wie hinter einer Wand.

Als ich das erkannte, verstand ich plötzlich, dass ich die Wurzeln meines Kinderwunsches zu fassen kriegen und sie am Besten ganz und gar ausrupfen musste. Sonst würde sie ein Teil von mir bleiben.

Das hätte zur Folge, dass ich für den Rest meines Lebens immer auf eine gewisse Weise traurig bleiben würde. Da musste ich mich fragen: Hätte mein Kind, das ich so gerne geboren hätte, das gewollt? - Das hätte es natürlich nicht!

Lass uns nochmal zu deiner Kinderwunschbehandlung zurückkommen:

Wie war währenddessen dein Gefühl zu deinem Körper?

Mein Kopf hatte in kürzester Zeit vollständig die Kontrolle über meinen Körper übernommen. Ich spürte körperliche Vorgänge so deutlich wie noch nie. Einfach weil ich ständig in mich hineinlauschte. Ich glaubte deswegen, ein sehr gutes Gefühl zu meinem Körper zu haben. Ich war in Kontrolle. Und das ist ja erstmal nichts Schlechtes. 

Mein Körper und ich – wir mussten ja zusammenarbeiten! Aber genau das war ein Trugschluss!

Warum war das Trugschluss?

Wenn ich sage "mein Körper und ich", dann ist beides durch das Wörtchen "und" getrennt. Diese Trennung hatte ihren Ausgangspunkt in der Kerbe der Enttäuschung. Sie wurde mit jedem gescheiterten Versuch größer. Mein Körper tat einfach nicht das, was ich von ihm wollte!

Warst du enttäuscht von deinem Körper?

Und wie! Durch die Hormone während der Kinderwunschbehandlung wurde das dann auch noch mal verstärkt. Das Verhältnis von mir zu meinem Körper wurde immer schlechter. Irgendwann fühlte ich mich von meinem Körper wie abgeschnitten. Abgespalten. Getrennt. Doch all das drückte ich in der Behandlungszeit weg, weg, weg.

Was löste das auf Dauer bei dir aus?

Zu dem Gefühl der Enttäuschung gesellte sich das Gefühl von Versagen. Und eines Tages fragte ich mich dann: “Was, wenn es nicht klappt?” Dieser Satz hockte ab diesem Tag in meinem Kopf. Und je länger er dort hockt, desto mehr Angst löst dieser Satz aus. Auf seelischer aber auch auf körperlicher Ebene.

Die Angst steckt im Körper. Irgendwo steckst du sie hin.

Und wo hast du die Angst „hingesteckt“?

Naja, im Sommer 2016 rutschte ich für ein halbes Jahr in sowas wie eine „temporäre Angststörung“.

Es begann schleichend. Ich verlor meinen Humor und war völlig ironiefrei, zwei Eigenschaften, die mich normalerweise ausmachen. Ich fühlte mich wegen jeder Kleinigkeit persönlich angegriffen oder überfordert. Dann geriet ich aus unerklärlichen Gründen in Panik. Ich hatte Schiss, wenn ich abends allein nach Hause ging oder ich konnte plötzlich nicht in eine U-Bahn steigen. Ich hatte unergründliche Angst vor einem Einbruch. Dann rannte ich zu tausend Ärzten, weil ich den Verdacht hatte, dass ich mich bei meiner Oma im Krankenhaus mit MRSA – multiresistenten Keimen – angesteckt hätte... Mein Mann dachte wirklich, ich hätte sie nicht mehr alle. Wir haben viel gestritten in dieser Zeit.

Hast du diese Angststörung damals mit deinem unerfüllten Kinderwunsch zusammengebracht?

Ich nicht. Aber eine Psychologin. Bei der war ich nicht in Behandlung, aber ich war mit ihr befreundet. Sie erklärte mir den Zusammenhang so:

Wenn eine Frau „ein Kind nicht halten kann“ dann ist das auf elementarster Ebene zutiefst verunsichernd. 

Nur sind wir ja nicht gewöhnt, dass wir uns ängstlich erleben. Denn wir wollen ja stark sein, für unseren Partner, unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Arbeit. Unser Körper und unsere Seele möchten uns aber mit diesen “verschobenen” Ängsten etwas sagen. Und wir müssen lernen, ihr zuzuhören. Oder einen „Dolmetscher“ finden, der das übersetzen kann. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Und die Angststörung hörte auf.

Mir war klar, dass ich mir das eines Tages alles noch mal genauer angucken müsste – aber nicht jetzt. Die Uhr tickte. Und wir standen kurz vor unserem gesetzten Limit, vor unserer letzten ICSI.

Wie war das?

Kennst du das Gefühl, wenn du im Urlaub das letzte Mal runter zum Strand gehst, um ein letztes Mal aufs Meer zu schauen, bevor es morgen nach Hause geht?

Man geht Arm in Arm und saugt noch mal alles auf. Alle Sinne sind offen. Nichts willst du verpassen, nichts soll dir entgehen. Du möchtest alles noch mal richtig abspeichern, um dich eines Tages daran zu erinnern, wenn du alt und grau bist. So war das. Alles war zum letzten Mal. Alles hatte Schönheit und Anmut. Aber auch Wehmut.

Und dann bekommst du pünktlich deine Tage.

Wie ging es euch damit?

Wir hatten uns dazu entschieden, das Eintreten oder Nicht-Eintreten einer Schwangerschaft im Urlaub stattfinden zu lassen. Wir wussten, dass wir Zeit für uns brauchen würden. Egal, was das Schicksal für uns bereit hielt.

Als meine Tage dann kamen, als es also entscheiden war, waren wir beide überraschenderweise erleichtert. Ja. Fast euphorisch. Wir verstanden erst gar nicht, wieso. Wir fühlten uns von diesem Gefühl überrumpelt. Das war wirklich nicht das, was wir erwartet hatten. Doch die Erleichterung hielt an. Endlich war es vorbei.


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Wie lange hielt die Erleichterung an?

Naja, wir hatten bis zur Altersgrenze theoretisch noch Zeit für einen weiteren Versuch. Doch noch mal den ganzen Wahnsinn? Ich konnte mir das von einem auf den anderen Moment plötzlich nicht mehr vorstellen. Mein Mann überließ mir die Entscheidung. Doch ich wollte nicht mehr.

Wenn noch eine befruchtete Eizelle übrig gewesen wäre, hätte ich mir die auf jeden Fall noch einsetzen lassen. Da das nicht der Fall war, stoppten wir hier und hielten uns somit an unser gesetztes Limit. Und das war gut. Das war gut für uns.

Die Erleichterung hielt bestimmt vier, fünf Monate an. Ich stürzte mich in meine Arbeit. Zu der Zeit hatte ich viele Aufträge und war viel unterwegs. Ich arbeitete wirklich wie eine Besessene und hatte keine Zeit zum Nachdenken. Es war eine willkommene Ablenkung, auch weil mein Verstand mir einredete: „Hey, guck mal, was du alles schaffst – es geht dir doch gut.“

Doch es ging dir nicht gut?

Nein. Es ging mir nur gut, so lange ich in Bewegung war. Doch sobald ich zur Ruhe kam, tauchte die Traurigkeit auf. Es war die Traurigkeit, für die ich mir alle die Jahre keine Zeit genommen hatte.

Wie bist du dieser Traurigkeit begegnet?

Rückblickend stelle ich mir das wie einen Comic vor: Sobald die Traurigkeit irgendwo auftauchte, schwamm ich hin und drückte sie zurück unter die Oberfläche. Doch kaum war mir das gelungen, tauchte sie urplötzlich an einer anderen Stelle wieder auf. Ich schwamm wieder hin und drückte sie runter. Doch da hinten war schon wieder die nächste aufgetaucht.

Es war eine reine Sisyphosarbeit. Ständig und überall gab es neue Auslöser, damit sie wieder auftauchte – ein Kinderwagen, ein verlorenes Stofftier, ein Knirps auf Papas Schultern, die Nachricht von einer Schwangerschaft. Diese Zeit war wahnsinnig anstrengend und bald fühlte ich mich völlig ausgebrannt.

Konnte dein Mann dich auffangen?

Für den Moment, ja. Doch mit der Zeit war er frustriert und auch genervt von diesem ganzen Auf und Ab. Verständlich, denn egal wie oft und einfühlsam er mich tröstete, die Traurigkeit tauchte ja immer wieder auf. Es gab Tage, da hatte ich bis zu zwanzig Schübe. Er konnte mir das mittlerweile an der Nasenspitze ansehen. Im Grunde seines Herzens sehnte er sich nach Normalität.

Er wollte unser altes Leben zurück und die Frau, in die er sich einst verliebt hatte. Doch die konnte ich ihm nicht mehr sein. Und wieder hatte ich das Gefühl, versagt zu haben.

Eines Tages sagte er dann zu mir: „Okay, du bist traurig. Dann trauerst du eben.“ Das fand ich eine gute Idee.

Wie hast du das gemacht?

Ich nahm mir eine Auszeit. Freunde und Familie rieten mir auch dazu. Ich nahm mir Zeit zum Trauern und tauchte einfach unter die Oberfläche, dahin, wo meine Trauer war. Ich trauerte darüber, dass ich keine Mutter geworden bin. Das war Anfang 2018. Doch das wurde dann so richtig schlimm.

In dem Moment, als ich unter die Oberfläche tauchte, verstand ich wie unendlich groß und tief diese Trauer über das Kind war, das ich nicht geboren habe. Ich tauchte ohne Licht hinab in die Dunkelheit. Doch die Dunkelheit war bodenlos.

Hat diese Zeit dein Verhältnis zu deinem Körper verändert? 

Ich war damals wie in einem Schwebezustand und fühlte mich paradoxerweise gut damit – endlich musste ich gegen nichts mehr ankämpfen. Heute würde ich sagen, dass ich völlig den Kontakt zu meinem Körper verloren hatte. Die Traurigkeit höhlte mich regelrecht von innen heraus aus.

Ich aß wenig – wozu auch, ich hatte kein Kind. Ich vernachlässigte mich – denn ich verachtete die Frau im Spiegel, die kein Kind geboren hatte.

Vielleicht wollte ich meinen Körper unbewusst dafür bestrafen, weil er so unfähig war, mir das zu geben, was ich mir so sehr gewünscht hatte.

Ich glaubte damals, dass ich eines Tages schon wieder auftauchen würde, wenn ich tief genug getaucht wäre. Doch Woche um Woche verging. Ich tauchte nicht auf.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich tagsüber auf unserer Terrasse stand, über die Dächer schaute und mich plötzlich fragte: “Du hast kein Kind – wozu eigentlich überhaupt noch leben?” Das war ein Wendepunkt. In dem Moment kapierte ich, dass ich es mit einer handfesten Depression zu tun hatte.

Hast du dir therapeutische Hilfe gesucht?

Nein. Ich konnte nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, über „das Ganze“ zu reden. Jetzt kann ich es, aber damals hatte keine Worte für das, was in mir vorging. Es war immer zu viel auf einmal da. Ich war emotional überwältigt und damit sprach-los.

Was hast du stattdessen gemacht?

Naja, ich hab gedacht, dass die einzigen Menschen, die mich quasi auch ohne Worte verstehen würden, die Frauen sind, die das selber erlebt haben. Also habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Da ich im Internet aber keine geeignete fand, spielte ich kurzzeitig mit dem Gedanken, selbst eine zu gründen.

Aber je länger ich darüber nachgrübelte, um so weniger gefiel mir der Gedanke, dass ich mir dort dann ja auch das Leid der anderen anhören müsste. Dabei hatte ich doch schon genug mit meinem eigenen zu tun.

Die zweite Frage, die sich mir aufdrängte, war die, dass da ja auch Frauen dabei sein könnten, die noch viel Schlimmeres erlebt haben als ich. Hätte ich dann überhaupt noch das Recht so exklusiv zu trauern, so wie ich es gerade tat? Heute muss ich darüber lachen – es ist wirklich absurd, wie eine Depression aktiv verhindert, dass du sie los wirst.

Wie ging es dann weiter?

Wir hatten bereits Ende April 2018. Ich befand mich in einer Sackgasse und wusste weder vor noch zurück. Anfang Mai war dann meine „berühmte“ Reise nach Budapest mit meiner Freundin Kathrin.

Ich hatte wirklich keine Ahnung, woher ich die Kraft nehmen sollte, mich 72 Stunden zusammenzureißen. Gleich am ersten Abend brach ich in einer Bar in Tränen aus. Zum Glück! Denn später, als wir das Thema in unserem hübschen AirBnB-Quartier vertieften, sagte Kathrin dann zu mir: “Schreib doch auf, was du mir hier gerade erzählst.”

Ich dachte gleich: Das ist es! Und als ich im Bett lag, fingen auch schon die ersten Worte in meinem Kopf an zu plappern. Sie fingen an mit: “Mein liebes Kind...”

Das war der Beginn meiner Reise – meines Abschieds vom Kinderwunsch. 

Ich hatte wirklich keine Ahnung, wohin mich diese Reise führen würde und wem ich dort begegnen würde. Und was passierte dann?

Ich begegnete meinem ungeborenen Kind. Und ausgerechnet dieses Kind lehrte mich, wieder eine glückliche Frau zu werden.

Magst du etwas darüber sagen, wo du jetzt stehst?

Ich stehe auf einem Berg. Die Luft ist klar, frisch und würzig. Die Vögel zwitschern, die Bienen summen und ich genieße die Sonne auf meiner Haut, denn ich fühle mich wohl.

Ich fühle mich wohl mit mir. Ich fühle mich wohl in meinem Körper.

Seit längerer Zeit wohne ich wieder in ihm. Ich bin in ihn eingezogen wie in ein verlassenes Haus. Ich brauchte etwas Zeit, um es mir wieder gemütlich zu machen, die Fenster zu putzen, mir neue Lieblingsecken zu suchen, hier und da zu renovieren und den Staub abzuwischen.

Doch jetzt sind wir wieder ein Team. Ich sorge für ihn, so gut wie ich noch nie für ihn gesorgt habe.

Ich habe meinem Körper verziehen.

Und ich habe dem Kind verziehen, das ich nicht geboren habe. Nachdem ich ihm verzeihen konnte, konnte ich mich von ihm verabschieden und es dann begraben. Das meine ich wörtlich: Ich habe "Mein liebes Kind" zusammen mit meinem Mann begraben. Von diesem Tag an entstand ein Raum, der nun mit etwas anderem ausgefüllt werden konnte. Und das waren ausgerechnet Kinder! Diese Kinder purzeln nur so in mein Leben. Und mittlerweile ist es mir egal, dass es nicht meine eigenen sind.

Ich begegne diesen Kindern ohne Traurigkeit oder Wehmut. Lange war das nicht möglich. Es gelang mir erstmals, als ich der Frau wiederbegegnete, die ich vor meinem Kinderwunsch war. Damals fehlte mir kein Kind und ich war glücklich. Und es ist auch die Frau in die sich mein Mann einst verliebt hat.

Zusammen mit dieser Frau und meinem ungeborenen Kind habe ich gelernt, in Kindern nicht mehr das Kind zu sehen, dass ich mir selbst so sehr gewünscht habe.

Ich kann es auch nicht ändern, genauso wenig wie die Tatsache, dass die Sonne morgens aufgeht und abends wieder unter. Gleichzeitig blitzt in jedem Kind, das mir begegnet, ein Teil von meinem ungeborenen Kind auf und schaut mich an. Dieses Aufblitzen erfüllt mich mit Liebe, die ich bereit bin, Kindern bedingungslos zu geben. Und diese Liebe bekomme ich bedingungslos zurück.

Doch die größte Schlacht, die ich auf der Landkarte meiner Seele ausgefochten habe, ist die Schlacht gegen meine bodenlose Traurigkeit. Ohne diese gewonnene Schlacht würde ich niemals da stehen würde, wo ich heute stehe. Aufrecht. Stark. Schön.

Dabei haben mir die aktuellsten Erkenntnisse der Hirnforschung weitergeholfen. Der Psychologe Klaus Bernhardt* ist über lange Zeit mein Mentor gewesen. Er hat ein Buch* darüber geschrieben, wie Panikattacken und Angststörungen durch einfache Übungen gelöst werden können. 
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Die Methode lässt sich außer bei Angst und Panik hervorragend gegen Depression und Traurigkeit anwenden. Bernhardt zeigt auf, dass für negative Erlebnisse – zu denen definitiv ein unerfüllter Kinderwunsch gehört – ein bestimmtes Gehirnareal verantwortlich ist.

Durch einfache Übungen, die ich auf Instagram ausführlich beschrieben habe, ist es möglich, dieses Areal aufzuspüren und es dann zu verlassen, indem man in das Areal hinüber wechselt, dass für positive Bewusstseinsinhalte zuständig ist.

Diesen Vorgang kann man trainieren. Da das Gehirn, so wie auch der Körper, sich seiner Benutzung anpasst, greift es nach einiger Zeit automatisch auf dieses Areal zurück. Das hat eine dauerhafte Stabilisierung zur Folge.

Innerer Frieden ist somit nicht mehr tagesformabhängig, sondern eine bewusste Entscheidung, um letztendlich gesund und wieder lebensfroh zu werden. Ich arbeite mit diesen Techniken bis heute. Ich kann sie jederzeit und überall in Anwendung bringen. Und mittlerweile hat sich auch mein Mann damit stabilisieren können.

Was würdest aus deiner Erfahrung anderen Frauen mit auf den Weg geben, die sich gerade in der Kinderwunschbehandlung befinden?

Schenke dir und deinem Nest die liebevollste Zuwendung, die du dir vorstellen oder erträumen kannst. Jeden Tag. Wende dich dir und deinem Nest noch liebevoller zu, wenn dein Nest leer bleibt. Und noch mehr, wenn es sehr lange leer bleibt, denn du wirst es noch brauchen!

Vergiss nie, dass dein Körper Großartiges leistet, Tag für Tag. Er ist bereit, eine Menge mitzumachen und auf sich zu nehmen, wenn es sein muss. Er geht mit dir durch dick und dünn, auch wenn nicht gleich ein Kind dabei rauskommt. Doch egal was auch passiert, du und dein Körper, ihr müsst ein Team bleiben. Kämpfe darum. Setz dich dafür ein. Lass dich nicht von der Enttäuschung manipulieren!

Dafür musst du lernen, wie dein Gehirn funktioniert. Das ist wichtig, weil du sonst eines Tages deinen Ängsten, der Traurigkeit und der Verunsicherung hilflos ausgeliefert bist. Das darf nicht sein! Sei deswegen klüger als dein Kopf und lerne ihn zu benutzen. Werde damit zum Hüter deines inneren Friedens. Du brauchst ihn auf deiner langen Reise zu deinem Kind.

Glaube immer an das Wunder, daran das es gelingen wird, solange du es versuchst.

Solltest du es aber eines Tages nicht mehr versuchen, weil du dich entschieden hast, den Weg deines Kinderwunsches zu verlassen, dann wisse, dass du den Glauben an dieses Wunder ganz und gar aufgeben musst. 

Solange du noch ein Fitzelchen Hoffnung im Herzen hast, ist ein Abschied vom Kinderwunsch nicht möglich.

Abschied vom Kinderwunsch bedeutet, dass du dich von dem Wunsch verabschieden musst und von dem Kind, dass du dir so sehr gewünscht hast. Dafür brauchst du Zeit. Nimm sie dir. Denn du kannst dir dieses Kind nicht von heute auf morgen aus dem Herzen reißen.

Verabschiede dich liebevoll und zärtlich von all den Bildern, Gedanken und Vorstellungen, die du dir über die Jahre gemacht hast. Dein Partner und vor allem dein Kind werden dir dabei helfen. Beide hätten niemals gewollt, dass die Mama, die du so gern werden wolltest, für den Rest ihres Lebens traurig bleibt.

Der Abschied, den du vollziehst, ist ein aktiver Abschied. Das muss so sein, weil ein Kinderwunsch niemals von alleine weggeht! Ohne einen aktiven Abschied ist Glück aus vollem Herzen und ohne Schmerz, wenn du ein Kind siehst, nicht möglich.

Vielleicht möchtest du das nicht – dann ist das auch okay und deine ganz persönliche Entscheidung. Wenn du aber dieses eine Leben, das du hast, voll und ganz auskosten willst – auch ohne eigenes Kind – dann schließe, wenn du soweit bist, einen Vertrag mit dir selbst.

Mein Vertrag mit mir selbst lautete so:

  1. Ich kehre zu der Frau zurück, die ich vor meinem Kinderwunsch war.
  2. Ich nehme meinen Lebensweg an und akzeptiere das, was ich nicht ändern kann.
  3. Ich verzeihe mir.
  4. Ich erkenne meine Gefühle an. Wann immer sie sich zeigen und wende mich ihnen liebevoll zu.
  5. Wenn ich einen Mangel spüre, tue ich mir Gutes und sorge für mich, so wie ich für mein eigenes Kind gesorgt hätte.
  6. Ich beschenke mich, auch wenn es keinen Anlass dazu gibt.
  7. Wenn ich mich dabei erwische, dass ich mich mit anderen Frauen vergleiche, stoppe ich diesen destruktiven Gedankenfluss.
  8. Ich sehe Kinder als das an, was sie sind und sehe in ihnen nicht das Kind, dass ich mir selbst so sehr gewünscht habe.
  9. Ich genieße inneren Frieden und Wohlfühlen, wann immer sich dieser Zustand einstellt.
  10. Ich mute mich meinem Mann, meinen Freunden und meiner Familie zu, damit sie die Chance haben, an meinem Lebensthema Anteil zu nehmen und mich dabei zu unterstützen.
  11. Ich vollziehe meinen Abschied von meinem ungeborenen Kind, wenn ich bereit bin, mein liebes Kind und meinen Kinderwunsch loszulassen. Indem ich beides loslasse, können andere Kinder und Wünsche in mein Leben treten.
  12. Ich darf innehalten und kurz trauern, kehre dann aber in meine aktuelle und unmittelbare Gegenwart zurück.

"Und dann lebe!"

Annick: Emmi, ich danke dir sehr für deine Offenheit, mit der du deine Geschichte geteilt hast! Ich bin sicher, dass sie auch anderen Frauen Mut und Kraft gibt.

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Für zu Hause und ohne, dass du mit jemandem sprechen musst, habe ich einen Entspannungskurs für die Kinderwunschzeit zusammengestellt. Er hilft dir, besser mit dem Stress, Druck und der Angst umzugehen. Hier (klick!)findest du darüber mehr Infos.

Über die Autorin Annick

Annick unterstützt Frauen in der Kinderwunschzeit und beim Schwangerwerden ganzheitlich. Begleitend auf dem natürlichen Weg oder bei künstlicher Befruchtung hilft sie, Druck und Stress loszulassen. Mentale und energetische Hürden werden geklärt, so dass das Baby besser eingeladen werden kann. Annick liebt es, neue Verbindungen zu schaffen und innere Räume zu öffnen. Sie bringt fließende, kraftvolle Weiblichkeit wieder zurück.